Juni 2026 – Wir nehmen die Einladung zu einem Hochzeits-Fest-Wochenende in Cannes zum Anlass, drumherum einen kleinen Roadtrip durch Ost- und Südfrankreich zu planen. Und ich bin auch nicht böse, dass ich mich einmal mehr gegen den Mann (und das üblicherweise vorgeschlagene Italien) durchsetzen kann.
Mai und Juni sind für uns recht klassische Monate für Ferien und da wir nach wie vor nicht so in der Stimmung sind, sehr weit zu reisen und möglicherweise den Flieger nehmen zu müssen, kommt uns die Einladung sehr entgegen. Und so startet unsere Reises am Donnerstag, einen Tag vor meinem Geburtstag Anfang Juni. Im Vorfeld haben wir uns aus Kostengründen noch überlegt, mit dem Zug über die Grenze zu fahren und dort ein Auto zu mieten. Die Rechnung zeigt jedoch, dass sich das preislich kaum lohnt. Also gönnen wir uns den Luxus der Automiete bei Sixt in Zürich und die Bequemlichkeit, das Gepäck direkt von unseren Wohnungen ins Auto laden zu können.
Automiete
Sixt, Pfingstweidstrasse, Zürich: Wir buchen einen mittelgrossen Wagen mit Automatik, für 13 Tage und 950 Franken. Als dann der Fiat 600 vor mir steht, erscheint er mir fast wie ein Mini und etwas zu klein. Der Sales-Man steht auch prompt mit einem Upgrade auf einen BMW X für 30 Franken pro Tag bereit. Zum Fahren entpuppt das Auto sich aber als sehr passend, die Koffer müssen wir zwar immer ein wenig in den Kofferraum drücken, aber schlussendlich geht auch das. Fünf Zentimeter mehr Kofferraumlänge wären allerdings nicht verkehrt gewesen.
Unsere Route für die dreizehn Tage:
- Zürich–Besançon: 266 Kilometer
- Besançon–Dijon: 125 Kilometer
- Dijon–Lyon: 232 Kilometer
- Lyon–Arles: 303 Kilometer
- Arles–Cannes: 239 Kilometer
- Cannes–Gap: 238 Kilometer
- Gap–Annecy: 234 Kilometer
- Annecy–Zürich: 328 Kilometer
Insgesamt fahren wir – mit Ausflügen zwischen den Transfers – 2100 Kilometer. Das ist nicht wenig, aber mit etwas Planung gut machbar. Fürs Parkieren kommen rund 270 Euro dazu, dafür stehen wir an einigen Orten auch gratis.
Zürich–Besançon
Das Auto ist auf 10 Uhr reserviert, aber da der Mann noch einen kurzfristigen Zahnarzt-Termin einschieben muss, wird es etwas später. Wir holen das Fahrzeug ab, fahren bequem nach Hause, holen unser Gepäck, laden ein und fahren am frühen Nachmittag los. Scheint zuerst noch die Sonne, beginnt es unterwegs zu regnen. Nie richtig schlimm, sodass dem Fahren nichts im Weg steht. Zuerst noch auf der Autobahn, fahren wir über Solothurn durch den Berner Jura und dann bei Goumois über die Grenze nach Frankreich. Wir kommen gut durch, nur in der Altstadt wird es etwas knifflig: Unser Hotel liegt mittendrin und die Strassen rundherum sind mit Pollern gesperrt.
Besançon





Im „Hôtel de Paris“, 33, Rue des Granges, haben wir ein grosses Zimmer und einen Parkplatz für rund 160 Euro pro Nacht reserviert. Für die paar Stunden, die wir hier tatsächlich verbringen, im Nachhinein etwas gar luxuriös. Ein weniger teures Hotel mit kleinerem Zimmer hätte es genauso getan. Mir gefällt Besançon aber sehr gut und ich kann mir vorstellen, nochmals für etwas länger herzukommen. Die Stadt wirkt angenehm unaufgeregt, im Umland kann man sehr gut wandern und auch in der Stadt gibt es noch einiges zu entdecken. Die Zitadelle alleine wäre wohl ein Ausflug wert, dafür fehlt uns aber grad ein wenig die Zeit. Und die Muse.
Besançon–Dijon




Wir frühstücken in einem Café um die Ecke und flanieren noch etwas durch die Stadt: Kirche, Theater, Geburtshaus von Victor Hugo, Kursaal… Um Mittag fahren wir los. Das Auto durften wir bis 12 Uhr im Hotel stehen lassen, auch wenn Check-out bis um 11 Uhr war. Unser erster Zwischenstopp ist Salin-les-Bains, wo die Königliche Saline von d’Arc-et-Senans liegt, seit 1982 ein UNESCO-Weltkulturerbe. Die 1779 fertig gestellte Manufaktur zur Salzgewinnung war bis 1895 in Betrieb und beinhaltet heute Veranstaltungszentrum, Museum und Hotel. Für 15 Euro erhält man Zugang aufs Gelände. Wir sind allerdings nicht so arg am Thema interessiert und begnügen uns mit einem Gratis-Toilettengang und einem Blick in den Shop.
Wir fahren weiter nach Dole, das mit seinem historischen Zentrum um Besucher wirbt. Wir finden unterhalb der Altstadt einen gut gelegenen Gratisparkplatz – mit einem guten Blick auf die beeindruckende Stiftskirche Notre Dame – und schlendern die Gassen in die Altstadt hoch. Für Mittagessen sind wir inzwischen ziemlich spät dran. Wir überlegen dann nicht lange und essen in einem vietnamesischen Restaurant einen guten Teller gebratene Nudeln. Schliesslich steht heute Abend noch mein Geburtstagsessen an und da wird’s dann schon wieder etwas klassisch französischer. Wir sehen uns noch etwas um. Alles ist entspannt und nicht überlaufen, aber auch überschaubar. Für einen kurzen Zwischenstopp genau richtig. Auf dem Weg nach Dijon stoppen wir noch an einem Carrefour. Wir brauchen eine kleine Kühlbox für Getränke und Picknick unterwegs. Und natürlich bekommen wir das. Was kann man hier schon nicht finden?
Dijon
In Dijon erreichen wir mit Hilfe des Navi unser Hotel für die nächsten zwei Nächte, das „Aparthotel Adagio“, 33 Rue de Mulhouse (Kosten: 270 Euro). Im hoteleigenen Parkhaus hat es zwar keinen freien Platz mehr für uns – das wussten wir schon vor der Anreise – aber das Hotel liegt in einem guten Quartier und wir finden tatsächlich einen freien Parkplatz direkt um die Ecke. Und weil Freitagabend und somit Wochenende ist, kostet uns dieser bis Sonntagmorgen praktisch nichts.




Von einer Kollegin im Büro habe ich ein paar Restauranttipps für Dijon erhalten. So spät, wie ich danach gefragt habe, können wir von Glück reden, dass wir in einem noch Platz finden. Und das im wirklich schönen und guten „L’Abenfant“, 32 Rue Amiral Roussin. Das Spezielle: Es werden nur regionale Produkte verwendet. Weshalb es zum Beispiel weder Desserts mit Schokolade noch Kaffee gibt – dafür eine riesige Tee-Auswahl. Ich wünsche mir ein Glas Champagner zum Start, leider gibts den aber nur in der Flasche. Also wird es ein lokaler Negroni und später Weiss- und Rotwein. Vorspeise: Paté Croûte vom Schwein mit Feigen und Haselnüssen für den Mann, Œuf parfait mit Spargel und Knoblauch für mich. Hauptgang: Risotto de petit épeautre mit Zucchetti und Käse für beide. Anstelle eines Desserts teilen wir uns einen Käseteller, obwohl wir da eigentlich schon sehr satt sind. Eine sehr gelungene Empfehlung, die ich gerne weitergebe. Mit einem Spaziergang zurück ins Hotel schliessen wir den schönen Tag ab.
Wir starten etwas groggy in den nächsten Tag. Der Grund? Um 5 Uhr geht im Hotel der Feueralarm los. Im ersten Moment denke ich noch, es seien Sirenen von draussen und merke dann beim Öffnen der Zimmertüre, dass dem nicht so ist. Ich sehe aber auch keine Menschen, welche aus ihren Zimmern rauskommen. Aufgrund unzähliger Übungen bei unterschiedlichen Arbeitgebern bin ich ziemlich auf Zack, ziehe Pullover, Jacke und Hose über mein Pyjama, schlüpfe in die Turnschuhe, packe meine Tasche und bin ready to go. Der Mann nimmt die Sache nicht ganz so ernst und ich treibe ihn ziemlich an. Wir sind schliesslich in der 6. Etage. Kaum sind wir soweit zu gehen, verstummt der Alarm. Ich schaue nochmals raus, öffne das Fenster, um allfällig die Feuerwehr zu hören. Da ist aber nichts. Also zurück ins Bett.
Wir frühstücken in der nahegelegenen „Brasserie la Bourgogne“, 20 Place de la République, wo wir draussen sitzend schon ein wenig die Menschen bei ihren samstäglichen Besorgungen beobachten können. Wir spazieren durch die Stadt, stöbern in kleinen Läden, besuchen die Markthalle „Les Halles centrales de Dijon“, Rue Odebert, wo die Menschen entspannt bei Käse-Charcuterie-Platten und einem Glas Weisswein zusammensitzen und essen später im „Café de Forges“ zu Mittag. Herzig, das Essen aber nichts besonderes. Ich besuche danach noch das „Musée des Beaux-Arts“, Place des Ducs de Bourgogne. Der Eintritt in die Ausstellung „Répéter – Muter“ von Djamel Tatah kostet 9 Euro, die Sammlung ist frei zugänglich beziehungsweise mit freiwilliger Spende.





Direkt neben dem Museum liegt das „Hôtel de Ville“, also die Stadtverwaltung. Und da kann man offensichtlich am Samstag heiraten. Aus den Fenstern des Museums beobachte ich mehrere Brautpaare und ihre Begleitungen, die sich auf dem Parkplatz davor versammeln. Neben mir steht die Museumsaufsicht und schaut genauso interessiert raus.
Im Intermarché SUPER, welcher um zwei Ecken von unserem Apartment liegt, decken wir uns mit ein paar Kleinigkeiten zum Nachtessen und für den nächsten Tag ein. Morgen soll es schliesslich nicht allzu spät weitergehen.
Dijon–Lyon



Die Kühlbox mit den wichtigsten Dingen für die Fahrt und einem Picknick bestückt, Auto wieder voll gepackt und weiter geht’s. Unser erstes Ziel: ein Coffee to go. Gar nicht so einfach an diesem Sonntagmorgen. Geöffnete Bäckereien finden sich zwar zuhauf, diese verkaufen aber wirklich nur Brot und haben maximal eine kleine Kapselmaschine – und diese wohl eher für sich selber. Auf der Suche fahren wir ein wenig kreuz und quer durch die Quartiere, bekommen einmal den Mittelfinger gezeigt (ja, ich habe etwas spät gemerkt, dass der Andere Rechtsvortritt hat) und bleiben erfolglos. Also lassen wir das und machen uns auf den Weg, über die „Route des Grand Crus“, der Burgunder Weinroute. Im Dorfbistro von Chenôve gibt’s dann den lange ersehnten Kaffee, während nebenan schon fleissig Bier getrunken wird. Wir stoppen kurz beim Weingut des „Château du clos de Vougeot“ und finden im eher überschätzten Beaune einen Gratisparkplatz und ein hübsches Bänkli, wo wir picknicken. Über Pommard und Macon gelangen wir nach Lyon, wo der Verkehr an diesem späten Sonntagnachmittag etwas zähflüssig ist. Aber irgendwann stehen wir in der richtigen Strasse und vor dem richtigen Haus.
Lyon



Für zwei Nächte haben wir uns im sehr schönen und gut eingerichteten Apartment „Host Inn Sleek Sūite“ an der 4 Rue des Forces, im zweiten Bezirk eingemietet, zwischen der Saône und der Rhone gelegen. Kosten: um 300 Euro. Kein Parkplatz inbegriffen, ein Parkhaus gibt es aber in der Nähe. Mit rund 520’000 Einwohnern ist Lyon die drittgrösste Stadt Frankreichs und somit noch um einiges grösser als Dijon. Wir wagen also nach unserer Ankunft einen ersten Spaziergang: durch die Einkaufszone, über den Place Bellecour und runter zum Quai, wo wir der Saône entlang spazieren. Und dann wird es langsam Zeit für Apéro und Abendessen. Was sich schwierig gestaltet: entweder sind die Restaurants schon voll oder die Vegi-Alternative würde aus Salat mit Pommes bestehen. Schliesslich landen wir in der Trattoria „Chez Carlo Cordeliers“, wo wir draussen sitzen können und eine passable Pizza essen.





Am nächsten Morgen spazieren wir zuerst etwas durchs Quartier, überqueren dann bei der Pont de la Feuillée die Saône und gelangen so in die Altstadt von Lyon (seit 1998 UNESCO-Kulturerbe) mit ihren vielen kleinen Gassen und den farbenfrohen Häusern. Hier sind dann auch deutlich mehr Touristen unterwegs. Wir nehmen die Funiculaire de Fourvière hoch zur Basilique Notre-Dame de Fourvière. Die Basilika wird aussen leider grad etwas renoviert und ist deswegen teilweise verhüllt. Drinnen lohnt sich der Besuch aber allemal. Und das Highlight ist sowieso die Aussicht von der Plattform über die ganze Stadt. Im Anschluss fahren wir wieder runter, nehmen die Métro bis Garibaldi und schauen uns da mal um. Wie immer sind wir generell viel zu Fuss und in den Quartieren unterwegs, bestaunen die Architektur, stöbern in Shops, geniessen Kaffee und Apéro und sind einfach neugierig. Lyon zieht mir nicht ganz so den Ärmel rein wie andere Städte, einen Ausflug ist es aber allemal wert.
Lyon–Arles



Zeigte der Bildschirm unseres Fiat bei der Ankunft vor zwei Tagen noch rot blinkend „Besuchen Sie eine Garage“ an, ist nun bei der Abfahrt – und bis zum Ende der Reise – davon nichts mehr zu sehen. Na dann. Wir starten gemächlich und auf Überlandstrassen. In Vienne halten wir eigentlich nur, weil wir einen Kaffee und ein Croissant wollen. Überraschenderweise ist der ehemalige Bischofssitz aber ein richtig interessanter Ort mit einer Tempelanlage aus der Antike, einem römischen Theater, wo auch heute noch in den Sommermonaten ein Festival stattfindet, und einer schönen Altstadt mit verwinkelten Gassen, Läden und Cafés. Für’s Mittagessen sind wir noch etwas früh dran, also kaufen wir nur ein paar Lebensmittel. Auf der weiteren Fahrt landen wir zufällig im Île-Parc Girodet (nahe Valence), einem zwölf Hektar grossen Erholungspark und Biodiversitätsrückzugsort am Ufer der Rhone. Parkplatz, Toilette und Bänkli gratis, Picknick mit toller Aussicht auf das Massiv und Château de Crussol. Es liegen noch knapp 200 Kilometer vor uns, sodass wir nun doch auf Mautstrassen sprich Autobahnen (A7 und A9) wechseln und um kurz vor 17 Uhr in Arles eintreffen.
Arles





Unser „Appartement de l’Amphithéâtre“, 8 Rue Girard le Bleu, für die nächsten drei Nächte liegt in der Altstadt direkt neben dem Amphitheater und kostet rund 400 Euro. Zufahrt und wenige Parkplätze gibt es zwar für Anwohner (und ihre Gäste), wir parken der Einfachheit halber aber im nahegelegenen Parkhaus Centre. Es ist alles ziemlich entspannt: die Touristengruppen sind eher früh und tagsüber da, am Abend wird es angenehm ruhig. Wir essen gut zu Mittag im griechisch-libanesischen „Dune“, 8 Rue Reattu und zu Abend im „Cocorrico“, 33 Rue Porte de Laure, sowie im „Jaipur Palace“, 27 Rue Porte de Laure. Ein sehr gutes Abendessen gönnen wir uns am letzten Abend im Innenhof des „L’Arlatan“, 26 rue du Sauvage. Eine beeindruckende Architektur – und die Zimmer des dazugehörigen Hotels sehen auf der Website spektakulär aus! Mit entsprechenden Preisen.






Am Mittwoch packen wir unsere Kühlbox und fahren los. Heute geht es in die Camargue, ans Meer nach Saintes-Maries-de-la-Mer und in den Parc Ornithologique de Pont de Gau. Ein schöne Fahrt übers Land mit vielen Fahrradfahrern auf der Strasse. Saintes-Maries-de-la-Mer durchfahren wir nur, der Blick auf die Menschenmassen und Restaurants reicht uns. Wir lassen den Ort hinter uns bis wir zur Plage Ouest kommen. Wir parkieren, spazieren über den Sand und trinken etwas – bei toller Aussicht aufs Meer – im sehr entspannt wirkenden „Calypso“ . Eher zufällig stossen wir auf der Hinfahrt auf den nahe gelegenen Vogelpark, den wir dann aber unbedingt besuchen wollen. Der Eintritt kostet 8.50 Euro pro Person. Und das ist irgendwie auch das heimliche Highlight dieser Ferien: Ich könnte den Flamingos stundenlang zusehen! 1949 gegründet, umfasst der Park heute rund 60 Hektaren und 7 Kilometer an Spazierwegen. Nach unserer Tour hole ich die Kühlbox aus dem Auto und wir picknicken unter einem der schattenspendenden Bäume.



Den Donnerstag nutzen wir für letzte Einkäufe, Wäsche waschen, aufhübschen und einfach mal etwas sein. Ich besuche zwischendurch noch die Ausstellung „Amazones, Cavalières et Icônes de mode“ im Musée de la Mode et du Costume, 16 Rue de la Calade. Interessant kuratiert – und architektonisch ebenfalls ein sehr schönes Haus.
Und damit endet der erste Teil unserer Reise: vom Jura über Burgund und Lyon bis in die Provence. Im zweiten Teil geht es weiter an die Côte d’Azur – und damit zum eigentlichen Anlass dieser Reise.
