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Italien: Mit dem Zug den Stiefel runter, Teil 1.

Mai 2019 – Nachdem mein Pa und die mittlere Schwester schon letztes Jahr on tour in Italien waren und so davon (natürlich mit entsprechenden Fotos untermalt) geschwärmt haben, schliessen der Mann und ich uns in diesem Jahr an. In zwei Wochen mit dem ÖV von Zürich über Rom nach Palermo!

Meine Schwester hat bereits sehr viel Vorarbeit geleistet, sodass uns ein Samstagnachmittag im Januar reicht, zu viert die Details zu klären und die restlichen Aufgaben zu verteilen.

Reise
Mein Vater macht die wichtigsten Sitzplatz-Reservationen und tatsächlich sind wir darüber schon ein erstes Mal sehr froh, als wir am Samstagmorgen um 7 Uhr am Zürcher HB in den heillos überfüllten Zug nach Mailand steigen. Den Interrail Pass kauft sich jeder selbst, da wir in diesen zwei Wochen nicht alle Ausflüge immer zu viert machen. Der Mann und ich nehmen uns etwas länger Zeit, bevor wir kaufen und prüfen die Kosten einzelner Zugfahrten. Die sind in Italien selber zwischen 10 und 20 Euro, ein Tag Interrail Italien kostet um die 40. Wir kaufen uns daher nur einen vier-Tages-Pass, alles andere jeweils vor Ort. Und das klappt problemlos (Schalter oder Automat).

Route
Mit Zug und Fähre Zürich–Mailand–Rom–Catania–Syracusa–Palermo.  Während der Mann und ich am Samstagmorgen von Palermo den Flieger zurück nach Zürich nehmen (CHF 200 p. P.), bleiben mein Pa und meine Schwester hart und reisen mit dem Zug. Sie nehmen sich dafür nochmals drei Tage Zeit und machen einen Abstecher nach Matera, Europas Kulturhauptstadt 2019. Im Anschluss besuchen sie spontan meine Tante und meinen Onkel aus dem Glarnerland, welche grad Ferien in Tortoreto machen.

   

Tag 1: Zürich–Mailand–Rom
Wir fahren von Zürich via Mailand nach Rom. In Mailand überspringen wir einen Anschlusszug und sind froh darüber: einige Passagiere müssen – obwohl wir nur 15 Minuten Verspätung haben – nach dem Aussteigen rennen. Wir geniessen die kurze Pause und gehen nach draussen auf den Vorplatz, betrachten innen die beeindruckende Halle und schlürfen einen ersten Caffè. In der Frecciarossa reist es sich sehr angenehm und um 15 Uhr erreichen wir auch schon Rom. Unser Hotel „Washington“ ist nur ein paar Meter vom Bahnhof entfernt. Nix besonderes, aber in guter Lage, sauber, genügend gross und mit einem guten Kaffee und Brioche zum Frühstück. Fürs Doppelzimmer bezahlen wir 80 Euro pro Nacht.

Nach einer kurzen Entdeckungstour (der Mann war noch nie hier) um das Kolosseum und einem ersten Aperol Sprizz treffen wir uns in der Wohnung meiner (Schweizer) Tante und meines (italienischen) Onkels mit der ganzen Familie und gehen zusammen essen. Wir sind insgesamt 17 Personen aus drei Generationen und geschwatzt wird in einem Durcheinander von Deutsch, Italienisch und Englisch. Ein fröhlicher und günstiger Abend: in einer besseren Snackbar in einem Aussenquartier bezahlen wir für alle zusammen (!) nur 100 Euro. Und ja, wir werden im Verlaufe der folgenden zwei Wochen noch besser essen und trinken.

      

Tag 2: Rom
Nach dem Frühstück im Hotel fahren wir mit der Metro zum Kolosseum und laufen von da zum „Altare della Patria“, gewidmet dem ersten König des neugegründeten Königreichs Italien, Viktor Emanuel II., wo sich auch das Grabmal des unbekannten Soldaten und das Museo del Risorgimento finden. Einer meiner Cousins hat während seiner Militärzeit sogar eine Zeit lang die ewige Flamme bewacht. Über die Treppe und durch das Gebäude kommt man zur hinteren Terrasse, wo man für 10 Euro mit dem Lift aufs Dach hochfahren und die Stadt in einem Rundumblick sehen kann. Beeindruckend, auch wenn es an diesem Vormittag sehr windig und leicht regnerisch ist.

Ich war vor etwa 20 Jahren das letzte Mal in Rom und was soll ich sagen? Reisen ist wohl etwas zu erschwinglich geworden oder die Favoriten noch beliebter. Fontana di trevi und Spanische Treppe sind so überlaufen, dass ich nicht wirklich Lust habe, länger hier zu stehen. Nach einem sehr guten Lunch im „Vinando“, Via Metastasio 21 (die Carcofi in verschiedenen Varianten sind sehr lecker!) geht es weiter über Pantheon, Piazza Navona und Engelsbrücke hoch zum Vatikan und dem Petersdom. Meine Empfehlung: will man irgendwo wirklich rein, dann lohnt es sich, vorgängig eine Tour oder Tickets mit erleichtertem Einlass zu kaufen. Die Schlangen sind wirklich überall ziemlich lang.

   

Tag 3: Rom–Catania
Früh raus, am Bahnhof mit Verpflegung eingedeckt, geht es heute nach Catania in Sizilien. Die Reise dauert insgesamt über acht Stunden, beinhaltet aber in San Giovanni den ziemlich coolen Eisenbahnverlad auf die Fähre rüber nach Messina. Die Fahrt selber dauert nur rund 20 Minuten, der Verlad jedoch je eine halbe Stunde. Der Bau einer Brücke wird immer mal wieder diskutiert und war auch schon beschlossen, liegt jetzt aber wieder auf Eis. Politik sei Dank!

Am Bahnhof in Catania schaffen wir es nicht, einen Bus runter zur Piazza del Duomo zu finden, also laufen wir. Sind auch nur knapp 15 Minuten und wir erhalten schon mal einen ersten Eindruck der Stadt. Unser **Hotel für die nächsten drei Nächte ist das „Centrale Europa“, Via Vittorio Emanuele 167, direkt an der Piazza gelegen. Ich liebe es hier! Total in die Jahre gekommen, grosses, sauberes Zimmer mit Blick auf den Platz, kein Lift (aber Hilfe beim Koffer tragen), verästelt und sehr freundliches Personal. Die drei Zimmer kosten für drei Nächte insgesamt 465 Euro.

Einen Aperol Sprizz geniessen wir im „I Capricciusi“ an der Piazza Mazzini und müssen aufpassen, dass wir nicht zu viel von den offerierten Nüssli, Chips und Focacce essen. Ist aber auch zu einfach gemütlich, hier draussen zu sitzen…

Sehr gut Znacht essen wir im „Curtigghiu“ an der Via Santa Filomena. Überhaupt gibt es hier an der Strasse viele kleine Restaurants und Bars, die herzig, cool, klein und innovativ sind.

       

Tag 4: Catania
Kaffee und Brioche direkt am Platz im „Giulen“, wir können draussen sitzen und Leute beobachten. Nach dem Frühstück geht’s um die Ecke zum Fisch- und Gemüsemarkt. Fischelt schon sehr und ist auch etwas blutrünstig, aber alles so geschäftig, laut und ungewohnt. Toll! Einen Schwertfisch oder ein Poulet kann ich im Hotelzimmer grad nicht verarbeiten, aber ein Körbchen Erdbeeren liegt immer drin.

Den Rest des Tages streunen wir durch die Stadt: Lunch im altehrwürdigen „Spinella“ an der Via Etnea, Spaziergang durch den Park „Villa Bellini“, Markt auf der Piazza Carlo Alberto di Savoia, ein bisschen Shopping. An der Piazza Federico di Svevia sitzen wir in der Sonne, beobachten die Menschen, trinken Bier (1 Euro) und Aperol Sprizz (4 Euro), bevor wir ins „Il Borgo di Federico“ zum Nachtessen gehen. Das Antipasti-Buffet (5 Euro) ist spitzenmässig, der Hauptgang und die Atmosphäre leider weniger.

   
 

Tag 5: Ätna
Es war sicher nicht die beste Idee, am 1. Mai (auch hier ein Feiertag) den Ausflug zum Ätna zu machen, leider ist es aber die einzige Möglichkeit für uns, da wir am Tag darauf bereits wieder weiterreisen. Der Bus, welcher uns bis zur Talstation Rifugio Sapienza bringt, kommt eine halbe Stunde zu spät und verspätet sich beim Hochfahren weiter, da heute eine ganze Blechlawine den Berg hoch rollt. Je höher wir kommen, desto frischer wird es im nur mit transparenten Plastikblachen geschützten Touri-Bus. Wir vier sind praktisch die einzigen aus unserem Bus, welche ein Ticket mit Seilbahn-Fahrt, Jeep-Transport und geführter Krater-Tour gebucht haben. Es ist sehr interessant und irre kalt: nur grad 2 Grad sind es auf 3000 Meter! Der ganze Ausflug kostet 100 Euro pro Person und dauert rund sechs Stunden. Ich finde, wenn man schon mal in der Gegend ist, sollte man diese Tour auch machen. Ist wirklich eindrücklich (auch wenn wir wegen der Wolken nicht so gute Sicht hatten)! Mehrmals aber wohl eher nicht.

Der Mann hat sich schlau gemacht und bringt uns am Abend zur „Trattoria Casalinga da Nino Mannino“ an der Via Bondi: ein herziges Restaurant mit hervorragenden Antipasti und einfachen, sehr guten Hauptgängen und einem tollen Rotwein. Wir essen, während die Bedienung nebenan (erfolglos) versucht, den Live Stream für den Champions-League-Match in Gang zu bringen. Ein rundum gelungener Tag…

Der zweite Teil meines Reiseberichts folgt in Bälde.

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