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Malta: A long weekend.

März 2019 – Die „Kleine“ wird 40. Einen besseren Grund für ein verlängertes Schwestern-Wochenende zu Dritt gibt es fast nicht, weshalb wir an einem Mittwochabend Ende März nach Malta fliegen. Wie die Wahl auf Malta fiel? Ausschlussprinzip. Es sollte eine Stadt in einem Land sein, in der noch keine von uns war.

Malta verfügt über eine bewegte Geschichte: In den vergangenen 2500 Jahren war die Insel Teil verschiedener Reiche. Nach der Herrschaft der Punier, Römer und Araber stand Malta unter dem Einfluss europäischer Adelshäuser, bevor sich im Jahre 1530 der Malteserorden dort niederliess. Im Jahre 1798 wurden die Inseln von Frankreich besetzt, das aber zwei Jahre später von Grossbritannien vertrieben wurde. Nach 164 Jahren britischer Kolonialherrschaft wurde Malta 1964 in die Unabhängigkeit entlassen, ist seit 1974 eine parlamentarische Republik und trat 2004 der Europäischen Union bei. Die Hauptstadt Valletta ist UNESCO Weltkulturerbe und wurde 2018 zu Europas Kulturhauptstadt gewählt.
Die Architektur ist sehr beeindruckend, ich kann Stunden staunend durch die Strassen laufen. Auch wenn vieles verfallen und ungenutzt ist, strahlt es immer noch diese imposante Kraft aus.

Generelle Informationen

  • Währung: Bis Ende Dezember 2007 gab es noch eine eigene Währung – die Maltesische Lira. Seit 2008 gilt der Euro.
  • Beste Reisezeit: Wird so generell von Mai bis Oktober angegeben. Dann bewegen sich die Temperaturen von 24 bis 32 Grad und das Wasser lädt zum Baden ein. Will man so wie wir einfach ein wenig Sonne tanken, einen neuen Ort entdecken oder wandern, dann passen auch die Wintermonate. In dieser Zeit ist es zwischen 16 und 21 Grad warm und es kann zu ein paar mehr Regentagen kommen.
  • Sprache: Englisch ist neben Maltesisch die offizielle Amtssprache. Für viele Einheimische aber bleibt es eine Fremdsprache. Wer sich auf Malta in Englisch unterhalten will, muss sich auf einen mehr oder weniger starken Akzent seines Gegenübers einstellen. Verständigen konnten wir uns jedoch jederzeit.
  • Einreise: Da Malta zum Schengenraum gehört, reicht für die Einreise aus der Schweiz die Schweizer ID.

   

Ausflüge
Unser Hotel ist perfekt für alle Arten von Unternehmungen gelegen. Zu Fuss sind wir schnell überall, bis Sonntagabend haben wir aber doch so einige Kilometer in den Beinen. Bus und Fähre kosten üblicherweise pro Fahrt  1.50 Euro.

Gozo

   
Mit dem 42er Bus fahren wir nach Cirkewwa, wo die Fähre nach Gozo ablegt. An der Touristenauskunft meinten sie, die Fahrt dahin dauere etwa 45 Minuten. Es waren dann fast 90. Immerhin fanden wir alle einen Sitzplatz. Mit der Fähre ist man in gut einer Viertelstunde in Mgarr, dem Hafen der Insel Gozo. Bezahlen tut man erst auf der Rückfahrt (5 Euro). In 20 Minuten sind wir mit dem Bus in Victoria, der Hauptstadt der Insel. Ihr seht, bei diesem Ausflug ist eher der Weg das Ziel.

In zehn Minuten ist man oben bei der Zitadelle mit der Kathedrale Mariä Himmelfahrt. Neben einem Rundgang auf der Befestigungsmauer kann man auch in den Schutzbunker aus dem zweiten Weltkrieg. Gozo war zwar kein eigentliches Ziel der Streitkräfte, allerdings liessen die Piloten auf dem Rückflug gerne „Fracht“ ab, um für den Heimflug leichter zu sein. Von mehreren Stellen hat man einen tollen Rundumblick, vor allem fällt auf, dass jeder nur wenig grössere Ort über eine Kirche verfügt.

Fazit nach diesem Tag: hier würde sich ein organisierter Ausflug vermutlich lohnen. Denn auch auf der Insel selber sind die verschiedensten Sehenswürdigkeiten recht verteilt, das schafft man nur mit ÖV gar nicht. Um 17 Uhr mit der Fähre zurück bedeutet massig Menschen (irgendwohin müssen die Passagiere der ein, zwei Kreuzfahrtschiffe pro Woche ja auch). Und von denen wollen über 100 auf einen der zwei öffentlichen Busse. Wir leisten uns kurzerhand für 30 Euro ein Taxi, welches uns in knapp einer Stunde zurück in die Stadt bringt.

Blaue Grotte

  
Ab dem Bus-Terminal Valletta nehmen wir den 74er Bus nach Zurrieq. Dieser fährt alle halbe Stunde und ist trotz des vielen Verkehrs absolut pünktlich. Oder ist es der um eine halbe Stunde verspätete? Leider stehen an der Haltestelle bereits ziemlich viele Leute, weswegen wir dann im Bus die ganze Fahrt über stehen müssen. Die Fahrt dauert rund 40 Minuten. Vielleicht doch besser nicht erst um 11 Uhr los?
Wir erhielten die Auskunft, dass wir auf dieser Linie bis zur Endhaltestelle fahren sollen, das erwies sich jedoch als falsch. Richtig ist: Aussteigen an der zweitletzten Haltestelle Formosa und runter laufen zum Hafen (ca. 10 Minuten). Wir kaufen uns ein Ticket (8 Euro pro Person) und können direkt ins bereitstehende Boot steigen, wo vier andere Personen warten. Die Tour dauert etwa eine Viertelstunde und der Bootsführer versorgt uns mit Informationen über die sechs Säle, aus welchen das Höhlensystem besteht. Wirklich schön!

Nach der Ausfahrt fährt uns das Tuk Tuk für 2.50 Euro pro Person in gut fünf Minuten rüber zum Tempel Ħaġar Qim. Für 10 Euro kann man sich die Reste eines der fünf grössten maltesischen Tempelkomplexe ansehen – entstanden zwischen 3600 und 2500 vor Christus.

Hafenrundfahrt

   
Die Rundfahrten starten fast alle von der Anlegestelle in Sliema. Es gibt verschiedene Anbieter, Kosten und Angebot sind alle ähnlich. Unsere Tour mit Luzzu Cruises hat 13 Euro gekostet und 75 Minuten gedauert. Die Erklärungen kamen vom Tonband in Englisch und Deutsch, wobei wir ob der deutschen Übersetzung und Kürzungen gegenüber dem Englischen mehr als einmal ziemlich gelacht haben.

Auf der Fahrt kamen wir durch den Marsamxett-Hafen sowie den Grand Harbour, wo auch die Kreuzfahrtschiffe anlegen. Wir sahen Manoel Island (eine ehemalige Quarantäneinsel mit altem Fort und neuer Marina),  die Jachthäfen von Msida und Ta Xbiex, das Zollhaus, die drei Festungsstädte Cospicua, Vittoriosa und Senglea mit ihren Jachthäfen, die Schiffs-Reparaturwerft in Senglea, die Valletta Waterfront und das moderne Wohn-, Restaurant- und Shoppingviertel Tigne Court. Die Tour gab uns eine schöne Übersicht und die Erkenntnis, dass wir an Land noch lang nicht alles gesehen haben.

Essen und Trinken in Valletta

Tatsächlich war es nicht ganz einfach, Restaurants zu finden, welche auch eine ausreichende Auswahl an vegetarischen Gerichten bieten. Die Spezialität auf der Insel ist Kaninchen in allen Varianten und natürlich Fisch. Verhungert sind wir trotzdem nicht, nur noch etwas hungriger vom längeren Suchen. Hier meine Empfehlungen:

 

  • „Soul Food“, 76 Merchants Street: ein vegan-vegetarisches Restaurant, wo wir einmal besten Lunch geniessen. Inklusive einem Aperol Sprizz.
  • „Pastaus“, 123 Old Theatre Street: Hausgemachte Pasta und die besten Bruscchette, die ich seit langem gegessen habe (einmal als Vorspeise für 5 Euro bestellt, reicht diese für uns alle drei).
  • „Il Teatro“, 56 Old Theatre Street: Etwas hell, aber nett. Die mittlere Schwester will ihre Pizza so umfassend anpassen, dass der Koch kurzerhand aus der Küche kommt, sie mitnimmt und die Pizza selber belegen lässt. Bis zum Ende des Abends war sie drei Mal da und er kochte uns noch einen Teller Pasta zum Probieren. Ein sehr fröhlicher Abend!
  • „Yard 32“, 32 Strait Street: Die Bar mit der besten Gin-Auswahl der Stadt. Neben einem Innenraum gibt es auch eine Theke zur Strasse raus, wo man bedient wird und aus verschiedenen Tapas auswählen kann. Abends gibts direkt davor Livemusik.
  • „Tico Tico“, 61 Strait Street: Bar im ehemaligen Rotlichtviertel. Just for fun auf ein Glas mit lauter Musik und fröhlichen, teilweise betrunkenen Menschen.

Was das Beste in diesen vier Tagen war?
Mit meinen Schwestern zusammen zu sein. Es war schon Jahre her seit unserer letzten alleine-zu-dritt-Reise. Ich habe erst in diesen Tagen gemerkt, wie sehr mir das gefehlt hat. Schwatzen, lachen, zusammen etwas erleben. Bis zum nächsten gemeinsamen Ausflug sollte es nun aber nicht wieder Jahre dauern…
So oder so lohnt sich aber ein verlängertes Wochenende hier absolut und jederzeit!

Reise

Mit Air Malta fliegen wir von Zürich nach Valletta und zurück. Flugdauer etwas mehr als zwei Stunden, die Tickets kosten pro Person 230 Franken (+ je 16 Franken Kompensation via myclimate). Auf dem Hinflug haben wir eine halbe Stunde Verspätung, auf dem Rückflug eineinviertel (da wir bei Abflug bereits eineinhalb Stunden im Flieger sitzen, ist es keine Überraschung, dass nach Hälfte des Fluges alle drei Toiletten wegen Überbeanspruchung geschlossen sind). Das Hotel hat uns unkompliziert und einigermassen günstig (24 Euro pro Fahrt) einen Shuttleservice angeboten, also nehmen wir für einmal diesen anstelle ÖV oder Taxi in Anspruch. Bei unserer Ankunft um 21 Uhr sind wir froh, nicht noch einen Bus suchen zu müssen. Die Fahrt in die Stadt dauert knapp 15 Minuten.

Unterkunft
Für vier Nächte habe ich uns die Maisonette-Suite im „Palais Le Brun“, Old Bakery Street 101, Valletta reserviert. Kosten pro Nacht und Person knapp 120 Franken. Das Frühstück ist im Preis inbegriffen. Wer wie wir Erfahrung im zu Dritt reisen hat, kennt die Situation: man bucht ein Zimmer für drei Personen und erhält ein Doppelzimmer, wo noch ein Zusatzbett reingestellt wurde. Zum Glück verfügen wir heute über ein etwas höheres Budget und die Online-Buchungsplattformen meist über verbindliche Bilder. Kleines, aber feines Frühstücksbuffet. Eine Auswahl an Eierspeisen steht zur Auswahl und wird direkt zubereitet. Auf der Dachterrasse im 5. Stock gibt es ein paar Liegestühle und einen kleinen Pool. Für die Zeit, wo es dann wirklich 30 Grad warm ist…

Wetter
Sonne, Wolken, zwischen 16 und 19 Grad. Weil es meist doch etwas windig ist, liegt die gefühlte Temperatur zwei, drei Grad darunter.

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