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Abenteuer Sprachaufenthalt, Teil 1.

Juli 2015 – Noch bevor unsere grosse Reise losging, habe ich mich entschieden, mir danach noch einen Sprachaufenthalt in England zu gönnen. Die drei Jahre Schulenglisch und die mehrheitlich nur noch in Ferien eingesetzte Sprache gehört mal wieder aufgefrischt. Auf keinen Fall möchte ich aber wie vor elf Jahren in Paris von einer Horde 17-Jähriger umgeben sein, die nur Party im Kopf hat, das lege ich gleich zu Beginn meines Beratungsgesprächs bei Boa Lingua fest. Wie auch eine Gastfamilie ohne Kinder und Haustiere sowie vegetarisches Essen. Natürlich habe ich Panik davor, mit 40 Jahren nochmals so leben zu müssen wie als Kind – und sei es auch für noch so kurze Zeit – im eigenen kleinen Zimmer wohnen, gegessen wird, was auf den Tisch kommt und gewaschen wird auch von jemand anderem. Ich könnte es mir also einfach machen und das Kreuzchen bei „Hotel“ setzen, aber ich will den grösstmöglichen Fortschritt und den erreiche ich nur, wenn ich wirklich von morgens bis abends englisch spreche.

Für mich kommt nur ein Kurs in einer reinen Businessschule in England in Frage und so gehe ich nach dem Beratungsgespräch mit einer kleinen, aber feinen Vorauswahl nach Hause. Schon kurz darauf erhalte ich von Boa Lingua auch noch die Offerten für alle vier Schulen per Mail und mache mich per Ausschlussprinzip daran, den Ort für meinen dreiwöchigen Aufenthalt zu bestimmen. Canterbury, East Budleigh und Warnford werden es nicht: ich entscheide mich für „York Associates“ in York.

imageAn einem heissen Sonntagnachmittag im Juli ist es dann soweit und ich stehe (schon wieder) mit einem gepackten Koffer am Flughafen Zürich. Viel Auswahl hatte ich beim Flug nicht: die Swiss fliegt als einzige Gesellschaft zwei Mal täglich (morgens und abends) direkt nach Manchester. Mit rund 40 Minuten Verspätung landen wir um kurz vor 19 Uhr im angenehm warmen Manchester. Mit dem Zug dauert es dann nochmals rund 2 Stunden, bis ich müde in York eintreffe. Etwas leid tut es mir für meine Gastmutter Ann (67 Jahre, pensionierte Lehrerin, verwitwet, 3 Söhne), welche mich nach 22 Uhr noch in Empfang nehmen muss. Sie tut dies allerdings mit so einer Herzlichkeit, dass mein schlechtes Gewissen wie weggewischt ist. Okay, die mitgebrachte Schweizer Schokolade trägt vielleicht das ihre dazu bei…

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Morgens bekomme ich Toast und Konfi. Am zweiten Morgen stelle ich fest, dass es auch selber gemachten Kompott mit griechischem Jogurt gibt. Was von da an mein tägliches Frühstück wird. Abends kocht Ann irgendwas leckeres Vegetarisches und ab dem zweiten Abend hört sie auf meine Bitte hin auch auf, noch eine Vorspeise oder ein Dessert zu servieren. Was ihr als passionierte Köchin doch etwas schwer fällt…

Schon bald merke ich, wie gut ich es mit meiner Gastmutter getroffen habe. Nicht nur, dass sie gut kochen kann und mich abends häufig mit der Feststellung: „Oh dear, you look like you need a glass of wine!“ begrüsst, nein, sie ist auch eine überaus liebenswerte, humorvolle und unterhaltsame Person. Am meisten zum Lachen bringen mich 1. ihr Hang zum Renovieren des Hauses: in meinen drei Wochen Aufenthalt werden Wohn- und Schlafzimmer gestrichen, neue Vorhänge in Auftrag gegeben und der Dachdecker engagiert und 2. ihre Freundschaft zu Liz: sie sehen sich sehr häufig und schreiben sich auch mitten in der Nacht noch Mails. Ann kocht meistens zu viel und dieses Zuviel wird dann in Tupperware-Boxen zu Liz transportiert. Woraufhin sich diese mit Aktions-Pfirsichen, einer halben Melone und Blumen aus dem eigenen Garten revanchiert. Ich ziehe sie dann mit der Bemerkung auf, ob sie, bevor sie sonntags die Kirche betreten, Plastikgefässe austauschen. Ihre Antwort: „Of course not! We do this after the service.“

2 Kommentare

  1. Liebe Eliane

    Was für eine tolle erste Geschichte! 🙂 Ich bin gespannt auf weitere Erlebnisse aus York. Vielen Dank, dass wir teilhaben dürfen.

    Grüässli
    Rahel

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